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Wie gefährlich ist die Lage in den europäischen AKWs?

In Europa werden nach dem Erdbeben in Japan ähnliche Szenarien diskutiert. Man sei auf AKW-Störfälle in Folge von Erdbeben vorbereitet, melden die Behörden in Tschechien, Frankreich, Slowenien und Deutschland.

Probleme wie jene im japanischen Atomkraftwerken Fukushima würden den tschechischen Atomkraftwerken Temelin und Dukovany nach Auffassung der Chefin der Tschechischen Behörde für atomare Sicherheit (SUJB), Dana Drabova, nicht drohen. Beide AKW seien "nach besten internationalen Standards" auch für den Fall eines Erdbebens geplant worden, obwohl sie in seismisch ruhigen Zonen liegen, versicherte Drabova am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Ein Erdbeben der Stärke 8,9 der Richter-Skala wie in Japan könne man in Tschechien "ganz ausschließen".
Österreichs Position

Angesichts der furchtbaren Katastrophe in Japan gelte es die Atompolitik in der EU neu zu überdenken. Das sagten die SPÖ-EU-Abgeordneten Jörg Leichtfried und Hannes Swoboda am Sonntag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. "Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt vor allem der betroffenen Bevölkerung in Japan. Aber darüber hinaus müssen wir die massiven Störungen der Atomkraftwerke zum Anlass nehmen, die Rolle der Atomkraft und vor allem das mit dem Ausbau der Atomkraft verbundene Risiko neu zu kalkulieren", so die beiden SPÖ-EU-Abgeordneten.
Frankreich

Angesichts des schweren Atomunfalls in Japan ist auch Frankreichs Industrieminister Eric Besson Befürchtungen zur Sicherheit französischer Nuklearanlagen entgegengetreten. "Alle französischen Kraftwerke wurden unter Berücksichtigung der seismischen Risiken und der Überflutungsgefahr konstruiert", sagte Besson am Samstag laut dpa in Paris. Nach Ansicht französischer Atomkraftgegner macht die Erdbebenkatastrophe in Japan jedoch deutlich, "dass die Atomkraft ein Riese auf tönernen Füßen ist". Nach Angaben der Gruppe "Raus aus der Atomkraft" erfüllen nicht alle französischen Atomkraftwerke die Erdbeben-Sicherheitsstandards. In Frankreich wird in 58 Reaktoren Atomstrom erzeugt, der 80 Prozent des nationalen Energiebedarfs deckt.
Slowenien

Auch Slowenien sieht sich für einen ähnlichen Zwischenfall wie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima gewappnet. "Das Atomkraftwerk Krsko ist für mögliche Erdbeben ausgelegt worden", sagte AKW-Manager Janez Krajnc am Samstagabend im öffentlich-rechtlichen slowenischen Fernsehen. Auch habe man für einen Störfall wie jenen in Fukushima "Alternativszenarien" vorbereitet, versicherte der Atomexperte. Krsko liegt in einem seismisch aktiven Gebiet, doch sind keine so starken Erdbeben wie in Japan zu erwarten.

Krsko wurde Anfang der 1980er Jahre im kommunistischen Jugoslawien mit US-Technologie errichtet. Das Atomkraftwerk ist zwar in die Jahre gekommen, Experten geben ihm dennoch gute Noten. Europaweites Aufsehen löste das AKW durch einen Fehlalarm der besonderen Art im Jahr 2008 aus. Weil die Kraftwerksleitung übereifrigerweise einen Vorfall ohne Austritt von Radioaktivität nach Brüssel gemeldet hatte, gab die EU-Kommission europaweiten Atomalarm aus.

Die slowenische Mitte-Links-Regierung plant den Bau eines zweiten Reaktorblocks im AKW Krsko, wobei Unternehmen aus den USA, Frankreich und Japan Interesse angemeldet haben. Ministerpräsident Borut Pahor hat jedoch zugesichert, vor dem Bau eine Volksabstimmung abhalten zu wollen.

Anders als noch in den 1990er Jahren zeigen Umfragen derzeit keine Mehrheit für einen Atomausstieg in Slowenien. Durch den Atomalarm in Japan könnte aber die Stimmung wieder kippen. So schreibt die Tageszeitung "Vecer" am Samstag in einem Kommentar, dass die Ereignisse in Japan "eine bedeutende Warnung für die Fürsprecher einer atomaren Renaissance" seien. Der Zwischenfall im japanischen Atomkraftwerk zeige nämlich, "dass auch die technologisch vollendetsten Gebäude, umgeben von Stahl und Beton, nicht sicher sind, wenn die Erde zu beben beginnt".
Deutschland

Trotz der Reaktorhavarien in Japan will der Energiekonzern RWE nach eigenem Bekunden seine Atomkraftwerke in Deutschland wie geplant länger am Netz lassen. "Alter ist kein Maßstab für die Sicherheit einer Anlage. Entweder ein Atomkraftwerk erfüllt die Sicherheitsanforderungen oder nicht", sagte das Vorstandsmitglied der RWE Power AG, Gerd Jäger, der "Welt am Sonntag" laut Vorausmeldung.

In Deutschland würden höchste Sicherheitsstandards angesetzt. Naturkatastrophen wie der Tsunami in Japan seien in Europa zudem nicht zu erwarten. Bei RWE sei jeder AKW-Standort genau überprüft worden, und die Sicherheit habe oberste Priorität, wurde der Manager zitiert. "Dennoch gibt es natürlich wie in allen Lebensbereichen Restrisiken." Diese müssten minimiert werden.

In Deutschland war ursprünglich ein schnellerer Ausstieg aus der Atomenergie vorgesehen. Die bürgerliche Bundesregierung revidierte aber im vergangenen Jahr den rot-grünen Konsens mit der Branche. Die in der Ausstiegsvereinbarung mit den Energiekonzernen im Jahr 2000 zugrunde gelegten Regellaufzeiten von 32 Jahren wurden im Schnitt um zwölf auf 44 Jahre verlängert.

Wegen der Havarien in den japanischen Atomkomplexen in der Präfektur Fukushima ist die Debatte auch in Deutschland wieder entbrannt. Die Bundesregierung will nach Worten von Kanzlerin Angela Merkel die Konsequenzen der Vorfälle prüfen. In Japan gibt es nach dem Erdbeben Probleme, zwei Reaktoren zu kühlen. Aus der Anlage an der Pazifikküste trat bereits Strahlung aus.

Author: 
kleinezeitung.at

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