Website erkunden

Abstimmung

Muss die Stadt Pripjat erhalten werden?:

Reply to comment

Medwedew wirbt für schärfere Atom-Standards

Atomkraft? Ja - aber sicher: Russlands Präsident Dmitrij Medwedew hat zum 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe neue Sicherheitsstandards für Reaktoren gefordert. Auch die Info-Politik bei Unglücken müsse besser werden. An der Kernenergie will er aber festhalten.

Kiew/Moskau - Die Ukraine gedenkt der Toten durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren - und Russlands Präsident Dmitrij Medwedew nutzt die Feierlichkeiten für einen Vorstoß in Sachen Atomsicherheit. Am Jahrestag des Reaktorunglücks sprach er sich für neue internationale Konventionen zur atomaren Sicherheit aus. Entsprechende Vorschläge habe er den Staats- und Regierungschefs übermittelt, sagte Medwedew am Dienstag während einer Gedenkveranstaltung an der Unglücksstätte in der Ukraine.

Medwedew kündigte für das nächste Gipfeltreffen der acht wichtigsten Industriestaaten (G8) am 26./27. Mai in Deauville (Frankreich) eine russische Initiative dazu an.

Bei der Initiative hat Medwedew sicher auch die Energiepolitik seines Landes im Blick. Denn im Gegensatz zu Deutschland plant Russland keinen Ausstieg aus der Atomkraft. Zusätzlich zu den bereits mehr als 30 Reaktoren sollen bis 2020 mehr als 20 neue Blöcke ans Netz gehen.

"Es geht um eine größere Verantwortung der Länder, die Atomanlagen betreiben, sowie um Notfallpläne", teilte Medwedew zudem in einer Botschaft mit, die der Kreml am Dienstag auf seiner Internetseite veröffentlichte. "Wir brauchen zusätzliche Auflagen für den Bau und den Betrieb der Atomreaktoren", so der Politiker.

Eine weitere Lehre aus der bis dahin schwersten zivilen Atomkatastrophe sei, dass die Wahrheit über derartige Unglücke nicht verschwiegen werden dürfe. "Wir müssen genauestens über das Geschehen informieren", sagte Medwedew. Im Fall Tschernobyl war die Öffentlichkeit erst Tage nach der Detonation in dem AKW informiert worden. Vielen Menschen im Umkreis des havarierten Reaktors waren dadurch gefährlicher Strahlenbelastung ausgesetzt gewesen.

"Heute sind wir nicht allein"

Medwedews Reise nach Tschernobyl ist der erste Besuch eines russischen Präsidenten am ukrainischen Unglücksreaktor. Der frühere Sowjetführer Michail Gorbatschow war 1989 dort. Medwedew besuchte gemeinsam mit seinem ukrainischen Kollegen Viktor Janukowitsch den Ort der Tragödie. Beide nahmen an einem Gottesdienst teil und begaben sich dann zum Eingang des Kraftwerks. "Leider wurde die Ukraine zu lange mit dem Tschernobyl-Desaster allein gelassen", teilte Janukowitsch mit. "Heute sind wir nicht allein."

Am 26. April 1986 war der Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl während einer Notfallübung explodiert. Bei dem GAU wurde radioaktives Material kilometerhoch in die Luft geschleudert. Die Strahlenwolke hatte sich damals auch über weite Teile Westeuropas ausgebreitet. Bis heute sind Böden durch Regenfälle mit radioaktiven Stoffen wie etwa Cäsium 137 belastet. Das Strahlengift kann Krebs und andere Krankheiten erzeugen. Nach Schätzungen starben zwischen 10.000 und mehr als 100.000 Menschen an den Folgen der Katastrophe.

Glocken läuten zum Gedenken an die Toten

In der Nacht zum Dienstag hatten die Glocken in der ukrainischen Hauptstadt Kiew 25 Mal geläutet - und so an das Reaktorunglück von Tschernobyl vor genau 25 Jahren erinnert. Mehrere hundert Ukrainer nahmen an einem Gottesdienst nahe eines Denkmals zu Ehren der Opfer der Atomkatastrophe teil. Die Mehrheit waren Witwen von Arbeitern in der havarierten Atomanlage oder Personen, die nach der Explosion des Atommeilers bei den Aufräumarbeiten helfen mussten.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill, der den Gedenk-Gottesdienst leitete, sagte, die Welt habe in friedlichen Zeiten keine Katastrophe erlebt gehabt, "die mit dem verglichen werden könnte, was in Tschernobyl passierte".

Auch 25 Jahre nach der Katastrophe ist die Gefahr noch nicht gebannt. Denn der provisorisch abgedichtete Reaktorblock droht einzustürzen. Dies soll ein gigantisches Bauprojekt verhindern. Ein geschätzt 1,6 Milliarden Euro teurer Sarkophag soll den brüchigen Schutzmantel ersetzen. Doch das Projekt stockt: Auch nach einer internationalen Geberkonferenz in der Vorwoche fehlen noch mehr als 200 Millionen Euro für die Finanzierung des Baus.

Zum Jahrestag des Unglücks haben Atomkraftgegner mit Blick auf das Reaktorunglück im japanischen Fukushima in vielen Ländern Aktionen angekündigt, um auf die tödliche Gefahren radioaktiver Strahlung hinzuweisen. Die Umweltorganisation Greenpeace bestrahlte in der Nacht den Reaktor 4 in Tschernobyl mit einer Lichtprojektion. Auch ein Totenkopf sowie Anti-Atomkraft-Slogans in Japanisch, Deutsch und Russisch waren zu sehen. "Wir sind den Opfern von Tschernobyl gegenüber zum Atomausstieg verpflichtet", sagte der deutsche Greenpeace-Aktivist Tobias Münchmeyer.

Author: 
jok/dpa/AFP

Reply

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.
  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <img> <h3> <b> <i> <u>
  • Lines and paragraphs break automatically.

More information about formatting options

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisiertem Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.