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Katastrophen-Tourismus boomt in Tschernobyl

Die Reaktor-Explosion von Tschernobyl ist nun schon 25 Jahre her. Und immer mehr Touristen besuchen die atomare Sperrzone. Der Katastrophen-Tourismus setzt auf die Fußball-Europameisterschaft 2012.
 
“An einem Tag hier in der Sperrzone, da nehmen Sie dieselbe Strahlung auf, wie bei einem Transatlantikflug zwischen Europa und den USA“, antwortet Fomin denen, die solche Reisen skeptisch sehen. Die Meinungen über den Sinn der Extremtouren durch das karge radioaktive Gebiet gehen auch unter den Überlebenden der Katastrophe auseinander. Immerhin ist Tschernobyl ein Ort, von dem Tod sowie Krebsleiden und andere schwere Krankheiten für Zehntausende Menschen ausgingen.
 
“Wir wollen über das Unglück und die Geschichte von Tschernobyl hautnah aufklären“, sagt Fomin vor dem Reaktor. Der Koloss ist nur notdürftig mit einem rissigen Schutzmantel aus Stahl und Beton geschützt und von einer Mauer und Stacheldraht umzäunt. Nur wenige Minuten ist der Aufenthalt hier erlaubt, weil die Strahlung weiter extrem hoch und gesundheitsgefährlich ist. Besucher tragen Atemmasken und Handschuhe zum Schutz vor radioaktivem Staub.
“Viele Familien haben damals hier die besten Bedingungen in der ganzen Sowjetunion gehabt, Kindergärten, Schulen, Freizeitangebote und gefüllte Geschäfte“, sagt Fomin. Er spricht mit trauriger Stimme auf dem Festplatz, wo verlassene Karussells Zeugen der Kinderfreuden von einst sind. Rund 7000 Menschen besuchen jedes Jahr die Zone, die auch Teile Weißrusslands einschließt. Überall zerfallen verlassene Häuser im Dickicht der Bäume. Immer wieder gibt es gelbe Warnschilder für radioaktive Strahlung.
 
Von der ukrainischen Hauptstadt Kiew aus bietet der Reiseunternehmer Arseni Finberg Bustouren in die rund 100 Kilometer weit entfernte Zone an. “Das ist natürlich eine Form von Extremtourismus“, sagt der 28-Jährige. Das Verhältnis zwischen Gästen aus dem Westen und denen aus der früheren Sowjetunion sei etwa 50:50. Sie zahlen zwischen 500 und 3000 Griwna (45 und 275 Euro) pro Kopf, je nach der Zahl der Reisenden. Die höheren Preise gelten für westliche Touristen, etwa aus Deutschland, den USA und England.
Die Ukraine will gemeinsam mit Polen im kommenden Jahr die Fußball-Europameisterschaft ausrichten. Aber nicht nur wegen der Euro-2012 und dem Jahrestag habe der Tschernobyl-Tourismus Konjunktur, sagt Finberg. Auch das in der Ukraine beliebte Computerspiel Stalker, bei dem Strahlenmonster in der Sperrzone gejagt werden, sei für viele Menschen Anlass, das Gebiet zu besuchen. Die Nachfrage sei größer als die Zahl der erlaubten Reisen. Aber Monster gibt es hier nicht.

Author: 
Ulf Mauder

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