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Tschernobyl: Versuch einer Erinnerung

Erst habe ich nicht verstanden, dass das die Nachrichten sind. Als ich am 11. März in einem Schaufenster eines Einkaufszentrums die ersten Bilder sah, dachte ich, dass da ein Ausschnitt eines Science-Fiction-Films läuft, in dem lustvoll der Weltuntergang gezeigt wird, um die Werbepause zu füllen. Bestimmt ist längst berechnet, dass Menschen nach solchen Bildern noch mehr beworbene Produkte kaufen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass sie noch am Leben sind – im Gegensatz zu den gerade auf dem Bildschirm Gestorbenen.

Es war aber eine Nachrichtensendung über die Tsunami-Katastrophe in Japan. Danach liefen Meldungen aus Fukushima. Ich sah die Ruine eines Reaktors, kleine Menschen, verlegene Moderatoren. Es wurde über radioaktives Jod, Cäsium, Plutonium und die Windrichtung gesprochen. Diese Worte klangen wie ein vergessenes Gebet. Ich fühlte so etwas wie einen Kurzschluss. Ich starrte auf den Bildschirm und spürte einen metallischen Geschmack im Mund. Ich sah „mein Tschernobyl“ live im Fernsehen. Damals hatte es keine Bilder und kaum Berichterstattung gegeben. Ich war 16 Jahre alt. Das Déjà-vu war viel zu stark.

Jetzt jährt sich die Tschernobyl-Katastrophe zum 25. Mal. Es ist eigentlich komisch mit diesem Jahrestag, weil dies keine Katastrophe ist, die in der Vergangenheit liegt. Diese Katastrophe wird unsere Leben überdauern, sie übertrifft sogar all unsere Vorstellungen über die Zukunft unserer Zivilisation, sie wird sich immer weiter entfalten. In wie vielen Generationen noch werden „Tschernobyl-Kinder“ geboren? Es gibt immer noch Krebsstationen, verlassene Orte, kontaminierte Erde und verstrahltes Essen. Es gibt das anhaltende Sterben der Liquidatoren, die zu Hunderttausenden bei den Aufräumarbeiten im Einsatz gewesen sind. Es gibt die 350.000 umgesiedelten Bewohner aus der unmittelbar betroffenen Zone. Und es bleibt die Zone, die strahlt. Und dort, wo es noch Plutonium gibt, wird es noch 250.000 Jahre dauern, bis es zerfallen ist. Mit diesen Zahlen kann kein normaler Mensch richtig umgehen. Sie sind übermenschlich.

Meine Kindheit endete mit Tschernobyl

Meine eigene Geschichte liegt ganz am Rande der Tschernobyl-Katastrophe und ist nicht spektakulär. Sie hat aber mein Leben geprägt. Ohne Vorankündigung ging meine Kindheit in den „Tschernobyl-Tagen“ zu Ende. Ich war 16, stieg allein in den Zug und fuhr weg. Richtung Moskau. Ich dachte, es sei für alle Fälle, aber es sollte für immer sein. Ja, ich gehöre zu den Millionen, die von Tschernobyl in der einen oder anderen Weise betroffen wurden. Aber mir ist nichts passiert, im Gegensatz zu Hunderttausenden anderer Menschen. Es gab die ersten Feuerwehrmänner, die den fürchterlichen Tod gestorben sind, es gab Ärzte und Physiker, Ingenieure und Erzieherinnen, die ganzen jungen 50.000 Einwohner der Stadt Pripjat, die enthusiastisch die Zukunft bauten, zwei Kilometer vom Reaktor entfernt.

In dem Buch «Tschernobyl» von Juri Stscherbak kommen alle diese Menschen als die ersten Zeugen der Katastrophe zu Wort. Swetlana Aleksijevich hat in ihrem „Tschernobyl-Gebet“ auch die Erinnerungen der Frauen aufgeschrieben, die ihre verstrahlten Männer pflegten. Da schreit jede Zeile, es ist fast unmöglich dieses Buch zu lesen. Es ließ mich verstummen.

Ich weiß nicht, ob ich überhaupt ein Recht habe von diesen Tagen zu erzählen. Ich bin kein „Opfer“ von Tschernobyl, aber alles, was Tschernobyl angeht, ist auch meine Geschichte.

Tschernobyl liegt 90 Kilometer nördlich von Kiew, meiner Heimatstadt. Es waren sehr schön Tage damals. Leichtes Grün färbte schon die Bäume und die vier japanischen Kirschen neben der Schule waren in voller Blüte. Wir waren 16 Jahre alt und natürlich verliebt. Der Zauber jener Tage ist in der «Vor-Tschernobyl-Zeit» zurückgeblieben.

Ich ging damals in die 9. Klasse einer zentral gelegenen, heute würde man sagen „elitären“ Schule. Der Unfall geschah in der Nacht von Freitag auf Samstag. Schon an diesem Samstag gab es Gerüchte in der Schule, da viele von uns hochpositionierte Eltern hatten: einige Väter waren noch in der Nacht geweckt worden und nicht mehr nach Hause gekommen. Der Vater von Lena war der Chef der Kiewer Feuerwehr, der Vater von Aljoscha Oberarzt bei der Armee. Wenig später sind beide Väter gestorben.

An diesem Samstag aber gab es einen Gedicht- und Liederabend in der Aula, und wir blieben bis spät. Draußen, nach vielen Tagen ungewöhnlicher Hitze, tobte ein Gewitter. Ob es die Gedichte waren, das Gewitter oder eine unbestimmte Vorahnung - wir hatten ein Gefühl des Abschieds. Wir gingen nach Hause. Noch war der Wind südlich und der Regen nicht radioaktiv.

Wir wurden damals zur Disziplin erzogen und hatten Angst vor dem Krieg. Heute erinnert man sich kaum noch an den obligatorischen Militärunterricht. Wir konnten eine Kalaschnikow blitzschnell auseinander nehmen und wieder zusammensetzen. Wir wussten über die einzelnen Phasen eines Atomkriegs Bescheid. „Während einer Atomexplosion muss man sich mit den Beinen in Gegenrichtung auf den Boden legen.“ Ja, alle wussten wir von einem Mädchen aus Hiroshima, das geglaubt hatte, sie könne ihre Leukämie dadurch bekämpfen, dass sie tausend Papier-Kraniche bastelt. Alle wussten, dass sie gestorben war. Wir waren Pioniere und wurden für die Tapferkeit geschult – nach dem Motto: „Allzeit bereit!“ Ich fragte mich immer: „bereit wofür“? Den Heldentod zu sterben? In welchem Krieg?

Doch auf das, was jetzt folgte, waren wir nicht vorbereitet. Es ging alles sehr schnell: Das Telefon bei uns zu Hause läutete ununterbrochen. Gerüchte, Ängste, Befürchtungen. Aber in der ganzen Sowjetunion herrschte das Wochenende über schönstes Wetter. Meine Eltern hörten die „Feindesstimmen“: Radio Voice of America und BBC. Dort wurde über unsere Katastrophe berichtet. Niemand wusste Genaues, niemand konnte richtig handeln und „radioaktive Wolke“ klang für viele nicht viel realistischer, als eine „Landung der Außerirdischen“.

Am Montagabend, fast drei Tage nach dem Unfall, gab es in den Fernsehnachrichten die erste offizielle Meldung. Es war die Rede von „technischen Schwierigkeiten“ am Atomkraftwerk Tschernobyl. Meinen Eltern wurde klar: „Von der Regierung ist nichts zu erwarten. Wir sind alleine gelassen. Nichts Neues“. Für die meisten Menschen waren die offiziellen Informationen aber die einzig verfügbaren.

Alles wurde anders: In der Metro schwiegen die Menschen nicht mehr: Sie sprachen über Radioaktivität, schwarze Wolken und schweren Regen. Alle hatten nur noch ein Thema. Es war erschreckend und faszinierend zugleich. Es fand eine eigenartige Verbrüderung statt. Niemandem war das gleichgültig und niemand wusste sich zu schützen. Jod trinken, Fenster zu, keine Spaziergänge – das sagte uns niemand. Alle genossen die ersten heißen Tage. Zwei Tage später, als der Wind aus dem Norden kam, rief ein ehemaliger Schüler meiner Mutter an, der inzwischen in einem Physik-Institut arbeitete. Er sagte: „Die Kinder müssen weg. Ich erkläre alles später“. Meine Eltern haben keine Sekunde nachgedacht, ich sollte weg. Schade, ich lag gerade in der Sonne auf dem Balkon.

An jenem 1. Mai, als die Menschenmassen zur Maikundgebung auf den Chreschtschatyk, den Kiewer Prachtboulevard, strömten, und als es richtig hoch her ging, brachten sie mich zum Bahnhof. Ich dachte: „Wenn die Gefahr wirklich so groß ist, warum bin ich dann die Einzige, die wegfährt?“ Ich schwankte zwischen dem Gefühl „ich bin die einzige Kluge“ und dem Gefühl „ich bin ein lächerlicher Feigling“. Alles war irreal, wie in einem Traum. Überbelichtet.

Der Bahnhof war verlassen, nur ein alter Bauer in schäbigen Kleidern stand am Schalter. Ich stieg in den halb-leeren Zug. Als er sich langsam in Bewegung setzte, hörte ich den Marsch „Abschied der Slawin“, der jedes Mal, wenn ein Zug Richtung Moskau abfuhr, aus den Lautsprechern ertönte. Dieser Marsch hat alle russischen Kriege begleitet. Eine Vorahnung des Verlustes. Durch das Zugfenster hindurch schaute ich meine Eltern an. Sie kamen mir so alt vor. Woran habe ich gedacht? Ich weiß es nicht mehr, aber woran sie gedacht haben, weiß ich heute ganz genau. Meine Eltern sind beide Kriegskinder. Dieser Marsch war eine Schicksalsmelodie. Es war unmöglich, nicht zu weinen.

Was fortan in Kiew geschah, weiß ich von meinen Eltern und Freunden, aus vielen Briefen und Gesprächen. Die ganze Stadt war bei der Maikundgebung auf den Beinen. Kleine Kinder, Schulklassen, Mitarbeiter von Instituten, Fabrikarbeiter. Mit Flaggen, Luftballons, Transparenten wurde marschiert, halb aus Pflicht, halb mit Spaß. Andere Feste gab es ja nicht. Die Luft war warm, die Stimmung fröhlich. Es folgten weitere frühsommerliche Tage, die Kinder spielten draußen. Offiziell wurde über die Gefahr immer noch kein Wort gesagt. Aus gutem Grund: Kiew erwartete internationale Gäste. Am 6. Mai sollte die Friedensfahrt, die sozialistische Tour de France, in Kiew starten. Die Regierung schwieg weiterhin, radioaktive Wolken sah man nicht, und es war auch nichts zu riechen. Und war es denn nicht lächerlich, sich bei dem strahlenden Wetter über solche Gefahren Gedanken zu machen?

Direkt nach der Friedensfahrt brach Panik aus. Gerüchte über Tausende von Verletzten in einer „Zone“ um das Atomkraftwerk, über die Kinder der Parteifunktionäre, die angeblich schon vor Wochenfrist nachts heimlich mit Gasmasken zum Flughafen gebracht worden waren, machten die Runde. Man sprach plötzlich von Lebensgefahr in Kiew. Am 6. Mai forderten die Direktoren einiger Schulen die Eltern auf, ihre Kinder zu Hause zu lassen oder sie sogar wegzubringen, die Fenster zu schließen, nicht mehr spazieren zu gehen und immer wieder Staub zu wischen. Wer seine Kinder nicht selbst wegbringen könne, solle sie in einer Woche (!) zur Schule bringen. Sie würden dann mit Bussen in Ferienheime in den Süden gebracht. Sonst sei alles in bester Ordnung.

Aber es gab kein Sonst. Und dann wurde erstmals das Wort „Evakuierung“ ausgesprochen. „Evakuierung der Kinder“ - wie im Krieg. Innerhalb von 24 Stunden waren alle Zug-und Flug-Tickets für sämtliche Ziele ausverkauft. Wir waren Kinder des Imperiums und manchmal half es uns, geographisch gesehen. Am Kiewer Flughafen standen Mütter zu Tausenden und versuchten, ihre Kinder irgendwie und irgendwohin wegzuschicken. Eine meiner Freundinnen erinnert sich, dass jemand neben ihr sagte: „Dieser Koffer wird nicht fliegen, die Oma auch nicht, stattdessen fliegen noch drei Kinder.“ Alle wussten, es war verboten. Aber so flog auch sie, damals 10 Jahre alt, mit ihrem 4-jährigen Bruder nach Taschkent. Sie nahmen nur eine kleine Tasche mit einem Apfel und einem Fläschchen Salmiakgeist mit.

Der Hauptbahnhof war belagert von Zehntausenden. Alle Züge und Sonderzüge waren überfüllt. Mütter legten sich auf die Gleise, um die Mitnahme ihrer Kinder zu erzwingen. Dann wurde erlaubt, dass jeder Erwachsene, der eine Fahrkarte hatte, eine unbegrenzte Zahl von Kindern mitnehmen durfte. Sie wurden wahllos in die Züge hinein gequetscht. Diese Szene sehe ich in dokumentarischem Schwarzweiß: Auf der einen Seite die Waggons voll mit schwangeren Frauen, Rentnern, jungen Frauen im Mutterschaftsurlaub und Hunderten von Kindern. Auf der anderen Seite die „erwachsene Bevölkerung“ auf dem Bahnsteig. Und dann dazu als Soundtrack der Marsch „Abschied der Slawin“. Niemand hatte das Tonband abgestellt.

Die Erwachsenen blieben, sie mussten arbeiten. Erst am 14. Mai, zweieinhalb Wochen nach dem Ereignis, als sich das radioaktive Jod schon das zweite Mal halbiert hatte, gab Gorbatschow eine Stellungnahme zu Tschernobyl im sowjetischen Fernsehen ab. Meine Schule wurde drei Tage später evakuiert. Die Schüler, die von den Eltern noch nicht weggebracht worden waren, drängten zu den Bussen: links und rechts die Kleinen, in der Mitte die Größeren. Maria, die Putzfrau der Schule, die während des Zweiten Weltkriegs ihre Eltern verloren hatte, heulte laut und hemmungslos. Hunderte von Bussen verließen Kiew Richtung Süden. Nur die Abiturienten mussten bleiben, um ihre Prüfungen abzulegen. Was zum Teufel war Radioaktivität, wenn es um einen Schulabschluss ging?

Einige meiner Klassenfreunde sind im Juni kurz zurückgekommen – um die Prüfungen in Geometrie und Geographie abzulegen. Die Schuldirektoren warnten: Wenn die Eltern ihre Kinder nicht zurückbrächten, sollten sie sich vom Parteiausweis verabschieden. Man konnte auch Posten verlieren und vielleicht sogar die Arbeit. Aber ich bin nicht zurückgekommen - und lege meine Geographie-Prüfung das ganze Leben lang ab.

Im Sommer war die Drei-Millionen-Stadt kinderfrei. Kein Lachen, kein Kindergeschrei, keine Kinderwagen, keine schwangeren Frauen. Dafür rund um die Uhr Spritzwagen, die die Straßen rauf und runter fuhren und radioaktiven Staub wegspülen sollten. Auch wenn es regnete.

Ich blieb in Moskau, ich wurde von Freunden meiner Eltern aufgenommen und fand sofort viele Freunde in der neuen Schule. Ich erinnere mich jedoch an ein sehr starkes Einsamkeitsgefühl. Das war nicht nur, weil ich in die 10. Klasse ging und meine Eltern in Kiew blieben. Ich konnte niemandem wirklich erklären, dass ich Schmerz empfand für alle, deren Leben nach Tschernobyl nicht mehr heilbar, nicht mehr reparierbar war.

Für mich ging auch ein Märchen zu Ende, das vor 25 Jahren noch lebte. „Wir sind geboren, um ein Märchen ins Leben zu setzten“. Nein, Danke. Das schöne Atom-Märchen war für mich damals aus. Der intellektuellste Traum meines Landes - erschöpft.

Nach 25 Jahren ist Tschernobyl ein Kriegsjahrestag und eine Touristenattraktion

Nun wird der 25. Jahrestag der Katastrophe in der Ukraine zu einem typischen Kriegsjahrestag verklärt. Als ob dort heldenhaft gekämpft wurde und „wir“ wieder gesiegt haben. Erst gegen den Faschismus, dann gegen die Radioaktivität - alles erledigt! Mit viel Schmerzen und viel Emotionen wird zurück in die Vergangenheit geblickt. Aber nicht in die Zukunft. Die große Politik hat kaum Schlüsse aus der Tragödie gezogen. Die öffentliche Diskussion über Tschernobyl mit dem Bezug auf Energiepolitik blieb fast komplett aus. „Denen, die die Welt gerettet haben!“ – steht auf dem Denkmal in Tschernobyl, das den gestorbenen Liquidatoren gewidmet ist. Und damit ist Schluss: Nun ist die Welt also heil und man kann weiter mit dem Atom spielen. Das alltägliche Nachdenken über Tschernobyl wird in Kiew unter „normalen“ Menschen entweder verdrängt oder mit einem optimistischen Fatalismus betrachtet: Die große Gefahr ist weg und sonst kann man sowieso nichts verändern. Man weigert sich, überhaupt über Tschernobyl zu sprechen, vielleicht gerade weil diese Katastrophe ein bleibendes Problem darstellt. Das ist sogar etwas unanständig, wenn Ausländer danach fragen – als ob man in der schmutzigen Wäschen der Einheimischen wühlt, die kein Wasser haben, um sie zu waschen. Politisch bedeutet es, dass Atomenergie in der Ukraine als einziger Weg dargestellt wird, aus der russischen Gas- und Öl-„Gefangenschaft“ herauszukommen. Und wer das nicht versteht, ist kein Patriot. Jawohl!

Die geschlossene und verlassene 30-Kilometer-Zone um Tschernobyl, nicht weit von Kiew, ist nun eine kleine Touristen-Attraktion. Man freut sich, dass jemand verdient. Mit einer speziellen Erlaubnis und nach Bezahlung kann man die Zone besichtigen. Jedes Jahr kommen hierhin einige Tausend (bis jetzt erst ca. 3.000! also nur 10 am Tag) Touristen, zum größten Teil ausländische. Die reale Zone driftet jedoch immer weiter ab in einen mystischen Bereich, wird zu einer virtuellen „Zone“. Für viele junge Leute stellt die Zone die angehaltene Zeit dar, einen Jurassic Park der Sowjetunion plus moderner Mystik der virtuellen Welten.

Das Zahl der Computer-Spieler, die „S.t.a.l.k.e.r“ oder „Shadow of Chernobyl“ spielen, wird bald die Zahl der direkten und indirekten Tschernobyl-Opfer übersteigen. Benannt wurde das Spiel nach einem Film von Andrei Tarkovsky von 1979, sieben Jahre vor Tschernobyl gedreht, der eine seltsame „Zone“ am Rande einer Stadt darstellt – eine verhängnisvolle Prophezeiung. Niemand weiß, wie sie entstanden ist und was genau dort passiert. Die Zone ist rätselhaft, gefährlich und anziehend – vor allem, weil man nicht begreift, ob sie eine Botschaft Gottes oder des Teufels ist. In den letzten 5 Jahren wurden zahlreichen Varianten des Tschernobyl-Computer-Spiels hergestellt. Sie gehören zu einer Reihe der typischen „postapokalyptischen Spiele“ wie auch die berühmten Spiele „Fallout“ oder „Neocron“. Mit einem kleinen Unterschied: Mit Tschernobyl geht es um einen echten Ort und ein reales Ereignis. Stalker selbst ist die Figur eines Einzelgängers oder Pfandfinders, eine Art „Pionier“ – der „immer bereit ist“, - wie wir damals, - durch die Zone zu laufen, bis zum Kern. Der brandgefährliche Ort ist das Ziel. Ja, alles geht nach den Regeln: „Dort befindet sich der sagenumwobene Monolith, der angeblich alle Wünsche erfüllt. Doch um ihn zu erreichen, muss erst eine Kleinigkeit bezwungen werden - die Hölle“.
Sind wir immer noch bereit, das Spiel in der Wirklichkeit zu spielen?

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Katja Petrowskaja wurde 1970 in Kiew geboren, studierte Literaturwissenschaft in Tartu, Estland, und promovierte in Moskau. Seit 1999 lebt sie in Berlin und arbeitet als Autorin und Journalistin.

Author: 
Katja Petrowskaja

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