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35 Jahre "Nein" zu AKW Zwentendorf

Vor 35 Jahren, am 5. November 1978, war die Volksabstimmung über das Atomkraftwerk Zwentendorf. 50,5 Prozent haben dagegen gestimmt. Das war eine entscheidende Weichenstellung für die Energiepolitik in Österreich.Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass die Entscheidung absolut richtig war. 1999 wurde die Atomkraftfreiheit sogar in der Verfassung festgeschrieben.Doch die Atomgefahr ist noch nicht gebannt, solange in Europa noch AKW in Betrieb sind.

Tschernobyl ist 1.000 km entfernt, aber hat in Österreich bei unzähligen Menschen Krankheiten ausgelöst, z.B. an der Schilddrüse. In unseren westlichen Nachbarländern Italien, Deutschland und Schweiz wurde der Atomausstieg beschlossen oder schon umgesetzt. Doch unsere östlichen Nachbarländer wollen ihre AKW länger in Betrieb lassen oder sogar neue bauen. Temelin, Mochovce, Paks, Krsko oder auch Isar 2 und Beznau können die Tschernobyls von morgen sein. Dagegen wehren wir Grüne uns. Vor allem die Bundesregierung ist in der Verantwortung, sich aktiv in den EU-Gremien gegen Atomkraft einzusetzen, mit allen politischen und rechtlichen Möglichkeiten. Sie muss mit dem Nationalrat, den Bundesländern, NGOs und natürlich mit anderen AKW-freien Staaten in Europa zusammenarbeiten. 40 Prozent aller AKW in der EU sind bereits stillgelegt. Die drei Neubauten in Finnland, Frankreich und der Slowakei verzeichnen extreme Kostensteigerungen und Bauzeitverlängerungen. Aber es gibt weiterhin viel zu tun, um Neubauten zu verhindern und damit die alten und gefährlichen AKW keine Laufzeitverlängerungen bekommen. Je länger die alten AKW laufen, desto gefährlicher werden sie. Es bringt wenig, einzelne Schwachstellen nachzurüsten oder Ersatzteile auszutauschen.In Tschechien, Frankreich und Großbritannien gibt es Pläne für neue Atomkraftwerke. Auch Großbritannien will neue Atomkraftwerke bauen. Die Regierung hat jetzt eine Förderung beschlossen: britische Stromkunden sollen für den Atomstrom 35 Jahre lang umgerechnet etwa 0,11 Euro pro Kilowattstunde (kWh) bezahlen. Das Geld fließt in die Taschen von französischen und chinesischen Konzernen. Das zeigt, dass Atomkraft viel teurer ist als erneuerbare Energien. In Österreich erhält Windenergie nur 13 Jahre lang eine Förderung von 9,45 Cent/kWh. In Deutschland werden auch große Solaranlagen mit weniger als 10 Cent/kWh für 20 Jahre gefördert. Erneuerbare Energien? Ja bitte! Sie sind nicht nur sauberer, sondern auch günstiger als Atomstrom. Die Betreiber und Hersteller von Atomkraftwerken haften nur für einen winzigen Teil der möglichen Schäden, die bei einem Atomunfall entstehen können. Die wichtigste Aufgabe von EU-Kommission ist es, endlich umfassende und verbindliche Haftungsregel einzuführen. Eine Schande für Österreich ist es, dass Konzerne wie STRABAG und die Andritz AG sich noch immer an AKW-Neubauten im Ausland beteiligen. Wir Grünen wollen solche Atomexporte verbieten, soweit das möglich ist. Und wir wollen die Unternehmen in die Pflicht nehmen: auch die Baukonzerne müssen für die Milliardenschäden von Atomunfällen haften, wenn sie dafür verantwortlich sind.Die Volksabstimmung von Zwentendorf vor 35 Jahren war eine entscheidende Weichenstellung. Die Weiche, die wir heute stellen müssen, ist die Entscheidung für 100 Prozent erneuerbare Energien. Österreich ist stark von Energieimporten abhängig, vor allem von Öl, Gas, Kohle und elektrischer Energie. Das wird immer teurer – aber es muss nicht sein. In spätestens 15 Jahren können wir uns zu 100 Prozent mit eigenem Ökostrom aus Österreich versorgen, zu stabilen Preisen. In spätestens 25 Jahren können wir die Wärme und Kühlung für alle Gebäude mit Einsparungen und erneuerbaren Energien bewerkstelligen. Und in 35 Jahren kann der gesamte Verkehr mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Die Technologien dafür sind schon vorhanden und je mehr sie eingesetzt werden, desto niedriger sind die Kosten.

Author: 
Matthias Köchl

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