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Ukrainer weinen um Tschernobyl-Opfer

In der Ukraine hat das Gedenken zum 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe begonnen: Hunderte trauerten in Kiew bei einem Gottesdienst um die Opfer, der russisch-orthodoxe Patriarch sprach von einer unvergleichbaren Katastrophe.

Kiew/Moskau - 25-mal schlugen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew in der Nacht zum Dienstag die Glocken - und erinnerten so an das Reaktorunglück von Tschernobyl vor genau 25 Jahren. Mehrere hundert Ukrainer nahmen an einem Gottesdienst nahe eines Denkmals zu Ehren der Opfer der Atomkatastrophe teil. Die Mehrheit waren Witwen von Arbeitern in der havarierten Atomanlage oder Personen, die nach der Explosion des Atommeilers bei den Aufräumarbeiten helfen mussten.

Mit Tränen in den Augen hielten die Teilnehmer des Gottesdienstes Kerzen und bekreuzigten sich, während russisch-orthodoxer Gesang ertönte. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill, der den Gottesdienst leitete, sagte, die Welt habe in friedlichen Zeiten keine Katastrophe erlebt gehabt, "die mit dem verglichen werden könnte, was in Tschernobyl passierte".

Am 26. April 1986 war der Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl während einer Notfallübung explodiert. Bei dem Super-GAU wurde radioaktives Material kilometerhoch in die Luft geschleudert. Die Strahlenwolke hatte sich damals auch über weite Teile Westeuropas ausgebreitet. Bis heute sind Böden durch Regenfälle mit radioaktiven Stoffen wie etwa Cäsium-137 belastet. Das Strahlengift kann Krebs und andere Krankheiten erzeugen.

Der provisorisch abgedichtete Reaktorblock droht seit Jahren einzustürzen. Ein geschätzt 1,6 Milliarden Euro teurer Sarkophag soll den brüchigen Schutzmantel ersetzen. Auch nach einer internationalen Geberkonferenz in der Vorwoche fehlen noch mehr als 200 Millionen Euro für die Finanzierung des Jahrhundertprojekts.

Zum Jahrestag des Unglücks haben Atomkraftgegner auch mit Blick auf das Reaktorunglück im japanischen Fukushima in vielen Ländern Aktionen angekündigt, um auf die tödliche Gefahr radioaktiver Strahlung hinzuweisen. Die Umweltorganisation Greenpeace bestrahlte in der Nacht den Reaktor 4 in Tschernobyl mit einer Lichtprojektion. Auch ein Totenkopf sowie Anti-Atomkraft-Slogans in Japanisch, Deutsch und Russisch waren zu sehen. "Wir sind den Opfern von Tschernobyl gegenüber zum Atomausstieg verpflichtet", sagte der deutsche Greenpeace-Aktivist Tobias Münchmeyer in der kühlen und klaren Nacht am Kraftwerk.

Denkmäler für Liquidatoren

In Russland zündete die Umweltorganisation Bellona in St. Petersburg fliegende Fackeln aus Papier an, die in die Luft stiegen. In der verstrahlten Sperrzone wollen auch die Präsidenten der bis heute am stärksten betroffenen Ex-Sowjetrepubliken Ukraine, Weißrussland und Russland an die vielen Strahlen- und Krebsopfer sowie Hunderttausenden Helfer erinnern. Nach Schätzungen starben zwischen 10.000 und mehr als 100.000 Menschen an den Folgen der Katastrophe.

In Lwiw in der Westukraine und in der russischen Ostseeregion Kaliningrad, dem früheren Königsberg, werden Denkmäler für die sogenannten Liquidatoren - die Aufräumarbeiter - eingeweiht. Russische Umweltschützer wollen in Moskau vor der Zentrale des Kraftwerkbauers Rosatom für eine Abschaltung alter Reaktoren demonstrieren.

Ein Rosatom-Berater hat die Abschaltung von elf Atomreaktoren von der gleichen Bauart des Unglücksreaktors von Tschernobyl angemahnt. "Die wichtigste Lehre, die aus der Katastrophe von Tschernobyl hätte gezogen werden müssen, ist es, die Reaktoren vom Typ RBMK schrittweise abzuschalten", sagte Wladimir Kusnezow am Montag bei einer Pressekonferenz in Moskau. Statt aber diese veralteten Anlagen stillzulegen oder sie wenigstens nur zu 60 bis 70 Prozent zu nutzen, würden sie mit einer Nutzung von 104 Prozent ihrer Kapazitäten überlastet. Dieses "kriminelle" Vorgehen hänge damit zusammen, dass in Russland fast keine neuen Atomkraftwerke gebaut würden, kritisierte der Atomexperte.

Kusnezow hob hervor, dass die meisten der elf sogenannten RBMK-Reaktoren bereits in den siebziger Jahren gebaut worden seien. Sie seien aber nur für eine 30-jährige Nutzung ausgelegt gewesen. Kusnezow gehörte zu den rund 600.000 von der Sowjetunion eingesetzten sogenannten Liquidatoren.

Author: 
anr/dpa/dapd

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