"Hände weg vom Tschernobyl-Gesetz": Tausende Strahlenopfer haben gemeinsam mit Afghanistan-Veteranen vor dem Parlament in Kiew gegen die geplante Kürzung ihrer Renten protestiert. Nur ein Großaufgebot der Polizei konnte die Stürmung des Gebäudes verhindern.
Kiew - Vor dem Parlamentsgebäude in Kiew waren am Nachmittag laute Sprechchöre zu hören: "Hände weg vom Tschernobyl-Gesetz", tönte es. Oder: "Sie haben die Söhne getötet, nun töten sie die Mütter". Mehrere Tausend Menschen - die Angaben schwanken von 4000 bis 10.000 - haben in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gegen die Kürzungen ihrer Renten und Gesundheitszuschüsse demonstriert.
Zu sehen waren zahlreiche Afghanistan-Veteranen in ihren früheren Uniformen sowie sogenannte Liquidatoren, die nach dem Super-Gau 1986 die verstrahlten Trümmer in Tschernobyl beseitigt hatten. Sie erhalten derzeit noch eine monatliche Zusatzrente von umgerechnet 100 bis 200 Euro. Einer der Kriegsveteranen sagte, für ihn seien die Auszahlungen zwar nicht notwendig. "Einigen meiner Freunde sichern sie aber das Überleben."
Ein Großaufgebot der Polizei verhinderte einen Sturm auf das Gebäude, wie Medien am Dienstag aus Kiew berichteten. Daraufhin verschob das Parlament die Abstimmung über das umstrittene Gesetz, das nun von einer Arbeitsgruppe unter Vize-Regierungschef Sergej Tigipko überarbeitet werden soll.
"Wir haben noch Beratungsbedarf", sagte der Fraktionschef der regierenden Partei der Regionen, Alexander Jefremow, dem Internetportal "Ukrainskaja Prawda". Seit Monaten wehren sich Veteranenverbände und Opfer-Komitees mit landesweiten Protesten gegen die geplanten Einsparungen. Die Haushaltslage der Ex-Sowjetrepublik gilt als extrem angespannt.
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