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Tschernobyl: Tiere kehren in verstrahlte Gebiete zurück

Knapp 30 Jahre nach dem GAU in Tschernobyl leben in einem radioaktiv stark belasteten Gebiet in Weißrussland wieder ähnlich viele Tiere wie in unbelasteten Regionen. Wie gesund sie sind, ist allerdings unklar.

Mehr als 100.000 Menschen mussten ihre Heimat nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verlassen. Auch 30 Jahre später sind sie, bis auf wenige Ausnahmen, nicht in das stark radioaktiv belastete Gebiet zurückgekehrt. Wohl aber die Tiere, die einst in den Wäldern an dem Unglücksreaktor lebten, wie Forscher nun im Fachmagazin "Current Biology" berichten.

Jim Smith von der University of Portsmouth in Großbritannien hat gemeinsam mit Kollegen Daten zum Vorkommen von Elchen, Rehen, Rotwild, Wildschweinen und Wölfen ausgewertet. Diese wurden bei Helikopterflügen oder anhand von Tierspuren im Polesie State Radioecological Reserve (PSRER) in Weißrussland erfasst.

In dem heute fast 2200 Quadratkilometer großen Gebiet liegen die am stärksten vom radioaktiven Niederschlag betroffenen Regionen Weißrusslands. Es grenzt direkt an die Tschernobyl-Sperrzone in der Ukraine.

Laut Auswertung ist die Säugetierdichte in der Region an dem Katastrophenreaktor heute wieder ähnlich groß wie in den vier Naturreservaten Weißrusslands, die nicht radioaktiv verseucht sind. In den vier anderen Reservaten waren es zwischen einem und sechs Elchen auf zehn Quadratkilometern. Im radioaktiv belasteten PSRER lebten zwischen 2005 und 2010 auf der gleichen Fläche im Schnitt knapp zehn Elche.

Auch Wildschweine, Rehe und Rotwild scheint es in der Region um Tschernobyl wieder ähnlich häufig zu geben wie in den Vergleichsreservaten. Bei den Wölfen entdeckten die Forscher sieben Mal mehr Tiere in der mit Strahlung belasteten Region.

Gesundheitszustand unklar

Verglichen die Forscher die Zahl der Tiere mit Schwankungen der Strahlenbelastung innerhalb der Region nahe Tschernobyl, fanden sie keinen Unterschied zwischen stark und weniger stark belasteten Gebieten.

Auch die Helikopterdaten, die in den ersten neun Jahren nach dem GAU (1987 bis 1996) gesammelt wurden, zeigen, dass die Zahl der Tiere in dem verstrahlten Gebiet wächst. Sie scheinen sich erfolgreich fortzupflanzen. "Dass die Population durch Zuwanderung aus nicht verstrahlten Gebieten größer wird, scheint unwahrscheinlich", schreiben die Forscher.

Dennoch können sie keine Aussagen zum Gesundheitszustand der Tiere in dem Reservat treffen: Wie häufig Fehlgeburten oder Missbildungen sind, verraten die Daten nicht.

Stattdessen zeigte sich laut den Forschern, dass eine vielfältige Säugetiergemeinschaft entstanden ist - ungeachtet der potenziellen Effekte der Strahlung auf einzelne Individuen. Und das zu einer Zeit, in der die Elch- und Wildschweinpopulation in anderen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion zurückgingen. Verantwortlich für den Anstieg könnte die Abwesenheit des Menschen sein.

Geht der Mensch, kommen die Tiere

Die vielfältige Tierwelt belege, wie sich Populationen erholen, die vom Druck menschlicher Besiedlung befreit wurden, sagt Mitautor Jim Beasley von der University of Georgia in Athens. Mit der Ruhe könnte es in den nächsten Jahren allerdings zu Ende gehen: Das Gebiet wird zunehmend zur Touristenattraktion.

Untersuchungen aus der Vergangenheit deuteten bereits darauf hin, dass sich einige Pflanzen und auch Vögel an die Strahlung in der Tschernobyl-Sperrzone angepasst haben. Andere Analysen zur Häufigkeit von Säugetieren, die auf weniger Daten basierten, waren allerdings teils zu dem Ergebnis gekommen, dass in stark verstrahlten Regionen weniger Tiere leben. Sie stehen im Widerspruch zu dem aktuellen Ergebnis.

In der Kraftwerksruine von Tschernobyl befindet sich noch immer hoch radioaktives Uran. Derzeit wird für die Anlage ein neuer Sarkophag zum Schutz vor Strahlung gebaut. Ein Großteil der Bewohner des heutigen Sperrgebiets war 1986 erst am Tag nach der Explosion in Sicherheit gebracht worden. In der Folge stieg unter anderem die Zahl der Erkrankungen an Schilddrüsenkrebs.

Author: 
Julia Merlot

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