Brandenburger spenden 20 000 Euro fuer die Waisen im Kinderdorf Gomel
ANN MEYER-GATERMANN
T ueren oeffnen fuer behinderte Waisen in Gomel – dieses Ziel hat sich die Brandenburger "Initiativgruppe Kinderdorf Gomel" gesetzt. 73 Tueren und 48 Fenster haben sie schon finanziert. Denn die erste Spende von 20 000 Euro hat die Baustelle des ersten weissrussischen Kinderdorfes fuer behinderte Waisen erreicht, berichtet der Initiator des Spendenprojektes, Paul Rehor. Die elf Mitglieder der Gruppe wuenschen sich weiterhin grosszuegige Sponsoren. Denn der Bau wird ausschliesslich ueber Spenden aus Deutschland und oesterreich finanziert.
Sieben Haeuser will der kirchliche Sozialtraeger Caritas in dem strahlenverseuchten Ort bei Tschernobyl bauen. Das Wirtschaftsgebaeude auf dem vier Hektar grossen Areal ist fast fertig, beim Schwesternhaus fehlt das Dach und fuenf Haeuser fuer die kleinen und grossen Bewohner des Dorfes muessen noch errichtet werden.
Eigentlich wollten die Brandenburger warten, bis sie genug Geld gesammelt haben, um ein Haus komplett zu bezahlen. Doch als Paul Rehor, Initiator des Spendenprojekts, die Baustelle besuchte, stellte er fest: "Das Geld muss sofort fliessen." Eine Tuer kostet 100 Euro, ein Fenster 250, erklaert er. Der Preisunterschied komme zustande, weil die Materialkosten in Weissrussland so hoch sind. Arbeitskraft sei dagegen billig. Weil fuer ein Fenster viele Materialien benoetigt wuerden, sei es teurer als eine Tuer. Mit der ersten Spende ist das Ziel der Gomel-Initiative noch lange nicht erreicht: 100 000 Euro fuer alle 172 Fenster, 239 Tueren und den Aussenputz wollen sie waehrend der Bauphase noch sammeln. Eigentlich soll die 1,5 Millionen teure Anlage in zwei Jahren fertig sein. Ob sich dieser Plan verwirklichen laesst, ist ungewiss. Immer wieder geraten die Bauarbeiten ins Stocken, weil es an Beton, Schotter oder Baumaschinen mangelt. Geht das Geld aus, zieht die Baufirma sofort ab. Bis eine Spende aus Brandenburg in Gomel ankommt, muesse sie erst einen weiten Weg durch die Amtsstuben zuruecklegen, berichtet Rehor. Schnelle Hilfe ist da schwierig.
In Weissrussland gibt es bislang keine Einrichtungen fuer volljaehrige Behinderte ohne Angehoerige, erklaert Kerstin Huch von der Initiativgruppe. Nach dem 21. Geburtstag werden Behinderte vom Kinderheim in ein Altenheim gebracht. "Dort herrschen schlimme Zustaende", erzaehlt Rehor. Das soll sich mit dem Kinderdorf aendern. 60 Beduerftige und 40 Mitarbeiter werden dort miteinander leben.
Die Initiativgruppe gruendete sich 2006 zum 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe und sammelt seither fuer das Projekt in Gomel. Die Menschen dort sind den fleissigen Helfern dankbar.