Projekt des neuen baltischen Gemeinschafts-AKWґs ins Stocken geraten
Auch hier machen die Polen wieder den gewohnten aerger
Von Eric Ashar
Die Ministerpraesidenten von Litauen, Estland, Lettland und Polen diskutierten am Freitag den Bau eines modernen ueberregionalen Atomkraftwerks in Litauen. Das neue Kraftwerk soll das aus der Sowjetzeit stammende AKW Ignalina im Jahr 2015 abloesen, das auf EU-Forderung geschlossen werden muss. Doch nun sind die Verhandlungen ins Stocken geraten.
Das neue Kraftwerk soll eigentlich von einem Joint Venture der vier Laender gemanagt werden. Der Wert des Projekts wird je nach AKW-Leistung (800 bis 1.600 Megawatt) auf 2,4 bis vier Milliarden Euro geschaetzt. Doch der polnische Ministerpraesident Jaroslaw Kaczynski hatte seine Teilnahme am Treffen kurzfristig mit dem Hinweis auf wichtige innenpolitische Verpflichtungen abgesagt. Naehere Angaben machte Warschau allerdings nicht.
Ein neuer Termin fuer die Unterzeichnung der Erklaerung wurde nicht vereinbart. Nach Angaben der litauischen Nachrichtenagentur Leta soll die Unterzeichnung noch in diesem Herbst erfolgen. Polen bestritt dabei Vorwuerfe, man wolle von dem Gemeinschaftsprojekt nichts mehr wissen. Litauen sollte 34 Prozent am Projekt halten, die restlichen drei Staaten jeweils 22 Prozent. Polen moechte jedoch selber die meisten Anteile. Nun sollen besondere Rechte fuer Minderheitsaktionaere her.
Das alte AKW Ignalina soll bereits 2009 abgeschaltet werden. Das neue Kernkraftwerk soll in der Naehe gebaut werden. Das alte Kernkraftwerk hat zwei Reaktorbloecke vom Typ RBMK-1500, welche mit einer elektrischen Leistung von jeweils 1.500 MW die weltweit groessten Reaktoren darstellen. Nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde die elektrische Bruttoleistung auf derzeit 1.360 MW reduziert.
Im Jahre 1987 ging der zweite der urspruenglich drei vorgesehenen Kernkraftwerksbloecke ans Netz. Aufgrund der Katastrophe von Tschernobyl wurde der weitere Bau des dritten Reaktors gestoppt. Bislang gab es jedoch noch keine schwerwiegenden Unfaelle in Ignalina. Urspruenglich versorgte das Kernkraftwerk bis zu 80 Prozent des sozialistischen Litauens mit Strom. Infolge des Anschlusses an die Europaeische Union entstanden Sicherheitsbedenken aufgrund der Bauart des Reaktors. Daher wurde bereits im Fruehjahr 2005 der erste Block abgeschaltet.
Veroeffentlicht: 7. Juli 2007