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Tschernobyl: Europa zahlt 556 Mio. Euro fuer Schutzhuelle
10.08 2007
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Tschernobyl: Europa zahlt 556 Mio. Euro fuer Schutzhuelle

ARTIN KUGLER (Die Presse)


KIEW/WIEN. Das Projekt ist gigantisch: ueber den 1986 explodierten Rektor 4 des ukrainischen Atomkraftwerkes Tschernobyl soll eine 100 Meter hohe bogenfoermige Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von 250 Metern gestuelpt werden. Das 20.000 Tonnen schwere Ungetuem wird an Ort und Stelle zusammengebaut und auf Schienen ueber die bestehende altersschwache Huelle geschoben. Halten soll es zumindest 100 Jahre. Die in aller Eile von den Russen gebaute Beton-Schutzhuelle hat schon nach 20 Jahren Risse. Im Vorjahr wurde diese Huelle verstaerkt, sonst waere sie vielleicht schon zusammengebrochen.

Seit gestern, Mittwoch, ist das Projekt Realitaet: Die Ukraine unterzeichnete einen Vertrag mit der Europaeischen Bank fuer Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die vorerst 330 Mio. Euro bereitstellt. Dieses Geld ist ab dem Tag abrufbar, an dem der Vertrag mit dem franzoesisch-deutschen Baukonsortium Novarka (Bouygues, Vinci, Hochtief und RWE) unterschrieben ist – die ukrainische Regierung rechnet damit im September.

Auf die 556 Mio. Euro Gesamtkosten fuer die Schutzhuelle fehlt noch einiges. „Die Staaten wissen, dass sie noch Geld nachschiessen muessen“, sagt EBRD-Sprecher Axel Reiserer zur „Presse“. 30 Staaten, vorwiegend aus Europa, haben bisher 720 Mio. Euro in den Tschernobyl-Fonds eingezahlt. oesterreichs Beitrag: 7,5 Mio. Euro.

Die EBRD finanziert ein weiteres Projekt im Ungluecks-AKW: Um 34 Mio. Euro wird ein Zwischenlager fuer die verstrahlten Reste der stillgelegten Reaktoren errichtet.

Wie viel Hilfsgelder insgesamt nach Tschernobyl fliessen werden, ist noch nicht klar – denn die Baupreise in der Ukraine galoppieren wegen der Fussball-EM 2012 in Polen und der Ukraine. Insider gehen von rund einer Mrd. Euro aus.

So viel Geld kann die Ukraine allein nicht aufbringen, deshalb hat das Land jahrelang um internationale Hilfe lobbyiert. Schaetzungen zufolge fressen die Sozial-, Gesundheits- und Umwelt-Folgekosten des Reaktorunfalls fuenf Prozent des ukrainischen Bruttoinlandsproduktes auf. Wie viele Todesopfer der Super-GAU gefordert hat, ist weiterhin unklar: Die Schaetzungen reichen von 4000 bis 93.000. Fast 200.000 Menschen wurden evakuiert.

Trotz der Katastrophenerfahrung setzte die Ukraine weiter auf die Atomkraft: Die Haelfte des Stroms kommt aus den zehn bestehenden Reaktoren. Die Regierung plant zudem den Ausbau der Uran-Foerderung. Das ukrainische Atomprogramm steht allerdings auf wackeligen Beinen: Drei der aus Sowjet-Zeiten stammenden Reaktoren sind derzeit wegen ausserplanmaessig notwendigen Reparaturarbeiten abgeschaltet.

Full publication text: http://www.diepresse.com/home/wirtschaft/eastconomist/322248/index.do?_vl_backlink=/home/wirtschaft/eastconomist/index.do
Author Valentina

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