Atomkraft? Nein danke!
VON DAVID DICK LISA KREIMEYER LAURA LA MARCA BASTIAN ZABELBERG CAROLIN HINTZ IVONNE WYRWA
In Zeiten, in denen die Stromkonzerne neue Atomkraftwerke planen, Politiker den Ausstieg aus dem Ausstieg fordern und Frankreich einen Reaktor in die Haende Libyens geben will, muss man beinahe dankbar sein fuer die Stoerfaelle in Brunsbuettel und Kruemmel: Sie erinnern wirkungsvoll an die Gefahren der Atomenergie; die stuemperhafte Vertuschungstaktik Vattenfalls spricht zudem eine deutliche Sprache zur Vertrauenswuerdigkeit der Stromanbieter. Abgesehen von der - mit jedem neuen Kraftwerk wachsenden - Gefahr einer Katastrophe wie 1986 in Tschernobyl, ist es absurd, die Atomkraft aus Umweltgruenden gegenueber den klassischen fossilen Energiequellen vorzuziehen. Ein geringerer CO2-Ausstoss kann das Problem der Endlagerung unmoeglich aufwiegen. Weitere Investitionen in die Kernkraft stehen ohnehin auf lange Sicht in keinem Verhaeltnis zum Nutzen: Durch die begrenzten Uranvorkommen kann die Atomenergie nur eine uebergangsloesung sein. Um den Energiebedarf fuer die Zukunft zu decken, ist jetzt die Foerderung regenerativer Energien noetig. Wirtschaftlich mag das fuer die Stromkonzerne kurzfristig gesehen uninteressant sein, die Sicherstellung der Stromversorgung stellt aber eine der groessten Aufgaben dieses Jahrhunderts dar. An der Atomkraft und fossilen Kraftwerken festzuhalten, wuerde auf absehbare Zeit eine weltweite Energieknappheit ausloesen, die durch Preissteigerungen erhebliche soziale Folgen mit sich braechte. Auch wenn die derzeitige Generation davon noch nicht bedroht ist, liegt es an ihr, die Voraussetzungen fuer die Zukunft zu schaffen.
Nur ein halbes Jahr vor dem Unglueck von Tschernobyl geboren, bin ich schon seit fruehester Kindheit immer wieder mit diesem Problem und den daraus resultierenden Gefahren konfrontiert worden. Und wie die juengste Vergangenheit gezeigt hat, ist die Atomenergie ein Pulverfass, auf dem wir staendig und freiwillig Platz nehmen. Nicht nur durch die Atomreaktoren an sich, die in Deutschland teilweise ja schon extrem veraltet und unsicher sind, sondern ebenfalls wegen der Tatsache, dass auch menschliches Versagen immer eine Katastrophe ausloesen kann. Ich glaube, dass der endgueltige Atomausstieg, der von der damaligen rot-gruenen Regierung ja eigentlich schon vor ein paar Jahren beschlossen worden ist, im Moment hauptsaechlich von der Energieindustrie selbst blockiert wird. Denn dass es anders funktionieren kann, und zwar sehr gut, zeigen ja diverse andere europaeische Laender wie Lettland und Schweden. In Lettland zum Beispiel wird schon fast die Haelfte der Energie aus alternativen Quellen wie Wind, Erdwaerme oder Biomasse bezogen. Die Industrie hierzulande scheint mir jedoch zu aengstlich, das Risiko des Umschwenkens auf erneuerbare Energiequellen einzugehen, da sie wahrscheinlich Einnahmeverluste befuerchtet oder ihnen die Errichtung von alternativen Kraftwerken und Einrichtungen zu kostspielig ist. Hoffentlich ist vielen Menschen durch die juengsten Vorkommnisse wieder bewusst geworden, was fuer eine Gefahr die Atomkraft eigentlich bedeutet, so sicher sie auch mittlerweile sein mag. Und vielleicht ist das ja eine Chance, mehr Stimmen fuer erneuerbare Energien zu gewinnen und die Regierung in Sachen Atomausstieg etwas mehr unter Druck zu setzen, damit, unabhaengig von Grosskonzernen wie Vattenfall, eine vernuenftige Diskussion des Problems angegangen werden kann.
Die Panne vom 28. Juni im Atomreaktor Kruemmel des Energieunternehmens Vattenfall bringt nun endgueltig das Fass zum ueberlaufen. Schon in der Vergangenheit kam es zu mehreren Unfaellen in den Atomkraftwerken Kruemmel und Brunsbuettel des oben genannten Konzerns. Im Dezember 2001 ereignete sich eine Wasserstoffexplosion in Brunsbuettel, aus der eine Maengelliste resultierte, die bis heute nur teilweise abgearbeitet wurde. Die aktuelle Panne in Kruemmel Ende Juni bestaetigt nun einmal mehr die katastrophalen Verhaeltnisse in den Kernkraftwerken. Trotz der Vorkommnisse wird seitens der Politik und des Vorstandes erst jetzt gehandelt, obwohl Sicherheit immer als oberstes Privileg angefuehrt wird. Aber der Kommerz siegt eben doch . . . Die mangelhaften Atomkraftwerke gehoeren meiner Meinung nach sofort geschlossen. Waere die Politik so um den Umweltschutz bestrebt, dann waere schon laengst etwas passiert. Fuer mich sind beide unglaubwuerdig - Vattenfall und die zustaendigen Politiker. Wer als europaweit agierender Konzern seine Verbraucher im Unklaren laesst , gehoert vom Markt - und zwar knallhart.
Das ewig gleiche Spiel: Die Gefahr einer Katastrophe wird ignoriert. Das funktioniert ziemlich erfolgreich und wird nur nach neuen Stoerfaellen immer wieder fuer ein paar Wochen unterbrochen. Ploetzlich loesen Kleinigkeiten wie zu grosse Bohrungen und Braende Hysterie aus. Die Betreiberkonzerne sind veraergert, ihnen geht durch diese ungewohnte Aufmerksamkeit bis zu einer Million Euro am Tag verloren. Da muss man sich nicht wundern, dass Vattenfall-Chef Josefsson philosophiert, in der Branche begreife man die Aussenwelt als kritischen Feind und entwickle eine Bunkermentalitaet. Der arme Mann kann einem Leid tun, nach jedem kleinen Stoerfall wird er kritisiert. Dann lieber alles geheim halten, das schafft Vertrauen. Man hat den Betreibern doch sonst immer beste Rahmenbedingungen verschafft. Wenn wirklich mal ein Reaktor in die Luft gehen sollte, dann kostet sie der GAU hoechstens 2,5 Milliarden Euro, den Rest uebernimmt der Staat. Da, laut Betreibern, die Kraftwerke sicher sind, ist das kein Problem, man muss sich nur darum kuemmern, was nach der Laufzeit passiert. Trotzdem meinen viele, man sollte die Reaktoren abstellen. Aber das geht doch nicht, dann wird der Strom knapp und verteuert sich. Das kann man dem Verbraucher nicht zumuten. Der Strom ist lebensnotwendig, und nachdem nun in Kruemmel, Brunsbuettel, Biblis 1 und Biblis 2 alles still steht, sieht man, dass ohne eines dieser AKW der Strom unbezahlbar wuerde. Die regenerativen Energien koennten den Bedarf ja niemals decken, auch wenn die Menge des durch sie erzeugten Stroms in diesem Jahr in dem Masse zugenommen hat, dass sie zwei AKW ersetzen koennten.
Die juengsten Ereignisse von Kruemmel und Brunsbruettel lassen das Thema Atomkraft Ja bitte oder Nein danke in den vergangenen Wochen wieder heiss laufen. Aufgrund dieser Pannen und der in den letzten Wochen bekannt gewordenen Vertuschungsversuche von kleineren Reaktorunfaellen kommt verstaendlicherweise die Frage auf: „Wie sicher sind die Atomkraftwerke wirklich?“ Jedem ist bekannt, was das Austreten von Radioaktivitaet fuer die Umwelt und fuer uns Menschen bedeuten kann. Natuerlich bringen die Atomkraftwerke einen erheblichen Vorteil fuer die nachhaltige Energienutzung, da sie den Strom nicht aus Rohstoffen produzieren. Doch wenn man in der Zeitung liest, dass Vorfaelle verspaetet oder unzureichend gemeldet werden, fragt man sich, ob die von den Politikern versprochene Sicherheit nicht zu kurz kommt. Sicher ist, dass der derzeitige Umgang mit den Reaktoren verbessert werden muss. Grundsaetzlich sehe ich die Stromgewinnung durch Atomkraftwerke sowieso eher kritisch. Ein unkontrollierter Austritt von gefaehrlichen Strahlen und Tausende von Leben werden zerstoert. Jedoch ist eine Abschaltung der Atomkraftwerke in den naechsten Jahren leider undenkbar. Wie soll sonst die Stromnachfrage gedeckt werden? Es laesst hoffen, dass die Kraftwerke in naechster Zeit durch mehr Sicherheit und geregelte Kontrollen besser gefuehrt werden, so dass die Radioaktivitaet keine Chance hat zu entweichen.
Die Frage, ob es wohl besser waere die Atomkraftwerke Deutschlands nach und nach gaenzlich abzustellen und auf alternative Stromerzeugung umzusteigen, oder aber weiterhin diese so genannten ,,Zeitbomben" -als das sie viele sehen- zu unterstuetzen, betrifft im Grunde jeden von uns. Vorfaelle wie Tschernobyl haben gezeigt, wie fatal die Folgen der radioaktiven Strahlung fuer die oekonomie und die Menschen sind. Befuerworter der Atomenergie behaupten, dass durch unsere hohen Sicherheitsstandards keine radioaktive Strahlung aus den Kraftwerken austreten koenne, da man diese mit mehrschichtigen Stahlwaenden abgeschottet habe. Ausserdem sei diese Form der Stromerzeugung wesentlich umweltfreundlicher als andere herkoemmliche Stromerzeuger, wie Mineraloel oder dergleichen, da sie viel weniger CO2 ausstosse und dazu noch billiger sei. Kritiker dagegen argumentieren mit dem Problem der ungeloesten Entsorgung des Atommuells. Ich habe dieses Thema in meinem Familien- und Freundeskreis diskutiert und bemerke, dass die Meinungen weit auseinander gehen. Waehrend eine Haelfte offensichtlich wegen des zu grossen Sicherheitsrisikos dagegen ist, haelt sich die andere recht neutral bedeckt. Ich kann die Argumente beider Parteien nachvollziehen und denke, dass man sich, bei einem so bedrohlichem Stoff, wie der in den Atomkraftwerken produzierte, nie richtig sicher sein und fuehlen kann. Schon ein Kabelbrand oder ein geplatztes Rohr kann dazu fuehren, dass radioaktive Strahlung in schaedlichen Mengen austritt. Dafuer gibt es zu viele alternative Stromerzeuger, als das man die Umwelt und Menschen unnoetig in Gefahr bringt, auch im Bezug auf die Zwischenlagerungen der Brennstaebe, die bekanntlich ebenfalls schaedlich sind. Andererseits spreche ich mich aber durchaus auch dafuer aus, bedenke man doch, welche Auswirkungen die Stromerzeugung durch Atomenergie wegen ihres geringen CO2 Ausstoss, langfristig auf die globale Erwaermung hat. Beide Ansichten haben demnach also ihr Fuer und Wider. Wir sollten alle unseren Teil dazu beitragen auf unsere Umwelt zu achten und anfangen bewusster zu Leben. Nicht nur die Atomenergie gefaehrdet uns und unsere Umwelt: wir sind es vor allem selbst!