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Tschernobyl: Europa zahlt 556 Mio. Euro für Schutzhülle

KIEW/WIEN. Das Projekt ist gigantisch: über den 1986 explodierten Rektor 4 des ukrainischen Atomkraftwerkes Tschernobyl soll eine 100 Meter hohe bogenförmige Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von 250 Metern gestülpt werden. Das 20.000 Tonnen schwere Ungetüm wird an Ort und Stelle zusammengebaut und auf Schienen über die bestehende altersschwache Hülle geschoben. Halten soll es zumindest 100 Jahre. Die in aller Eile von den Russen gebaute Beton-Schutzhülle hat schon nach 20 Jahren Risse. Im Vorjahr wurde diese Hülle verstärkt, sonst wäre sie vielleicht schon zusammengebrochen.

Seit gestern, Mittwoch, ist das Projekt Realität: Die Ukraine unterzeichnete einen Vertrag mit der Europaeischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die vorerst 330 Mio. Euro bereitstellt. Dieses Geld ist ab dem Tag abrufbar, an dem der Vertrag mit dem französisch-deutschen Baukonsortium Novarka (Bouygues, Vinci, Hochtief und RWE) unterschrieben ist – die ukrainische Regierung rechnet damit im September.

Auf die 556 Mio. Euro Gesamtkosten für die Schutzhülle fehlt noch einiges. „Die Staaten wissen, dass sie noch Geld nachschießen müssen“, sagt EBRD-Sprecher Axel Reiserer zur „Presse“. 30 Staaten, vorwiegend aus Europa, haben bisher 720 Mio. Euro in den Tschernobyl-Fonds eingezahlt. Österreichs Beitrag: 7,5 Mio. Euro.

Die EBRD finanziert ein weiteres Projekt im Unglücks-AKW: Um 34 Mio. Euro wird ein Zwischenlager für die verstrahlten Reste der stillgelegten Reaktoren errichtet.

Wie viel Hilfsgelder insgesamt nach Tschernobyl fließen werden, ist noch nicht klar – denn die Baupreise in der Ukraine galoppieren wegen der Fußball-EM 2012 in Polen und der Ukraine. Insider gehen von rund einer Mrd. Euro aus.
So viel Geld kann die Ukraine allein nicht aufbringen, deshalb hat das Land jahrelang um internationale Hilfe lobbyiert. Schätzungen zufolge fressen die Sozial-, Gesundheits- und Umwelt-Folgekosten des Reaktorunfalls fünf Prozent des ukrainischen Bruttoinlandsproduktes auf. Wie viele Todesopfer der Super-GAU gefordert hat, ist weiterhin unklar: Die Schätzungen reichen von 4000 bis 93.000. Fast 200.000 Menschen wurden evakuiert.

Trotz der Katastrophenerfahrung setzte die Ukraine weiter auf die Atomkraft: Die Hälfte des Stroms kommt aus den zehn bestehenden Reaktoren. Die Regierung plant zudem den Ausbau der Uran-Förderung. Das ukrainische Atomprogramm steht allerdings auf wackeligen Beinen: Drei der aus Sowjet-Zeiten stammenden Reaktoren sind derzeit wegen ausserplanmäßig notwendigen Reparaturarbeiten abgeschaltet.

Author: 
Martin Kugler

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